Klappzahlenwecker

Music Air KlappzahlenweckerEin Klappzahlenwecker war der heimliche Star des Films „Täglich grüßt das Murmeltier“, vom Murmeltier einmal abgesehen. Schon damals, d.h. 1993, war dieser Wecker ein Retro-Relikt aus den frühen 70er-Jahren und sollte im Film wohl die urig-rückständige Kleinstadtatmosphäre von Punxatawney (Pennsylvania, USA) unterstreichen.
Seit dieser Zeit haben Klappzahlenuhren (sog. Flip-Clocks) jedoch ein kleines Revival erlebt und sind langsam aber stetig zu modischen Dekoartikeln geworden. Wer heutzutage auf Retro-Möbel der Kunststoff-Ära steht bzw. seine Wohnung im spacigen Siebziger-Jahre-Design stilecht einrichten wiII, kommt an einem Radiowecker mit Klappziffern oder einer riesigen Klappzahlen-Wanduhr nur schwerlich vorbei.
Glücklicherweise gibt es diese Uhren und Wecker aus den 70er-Jahren noch in ausreichenden Mengen – wenn auch nur auf dem Gebrauchtmarkt. Nicht selten findet man bei Ebay oder auf Trödelmärkten noch das ein oder andere Schnäppchen. Die Gehäuseformen, Hersteller und Farben waren bzw. sind zahlreich. Die im Innenleben eines Klappzahlenweckers arbeitende Technik ist vergleichsweise robust, vor allem, wenn man bedenkt, daß diese „Digitaluhren“ eigentlich rein mechanisch angetrieben wurden.

Copal Klappzahlenwecker

Klappzahlenuhren – Funktion und Technik

In jeder Uhr mit Klappzahlen-Display befindet sich ein Synchronmotor mit zahlreichen Zahnrädchen zur Übersetzung von Kräften und Geschwindigkeiten. Durch die konstante Drehung des Motors werden indirekt zwei Trommeln bzw. Zahlenräder mit beweglich gelagerten Klapp-Plättchen langsam vorangetrieben. Die erste Trommel dreht sich per Zahnrad-Übersetzung genau einmal in der Stunde, die andere mit einer Umdrehung in 24 Stunden. Durch das Drehen der Trommeln mit den einzelnen Ziffernblättchen, bewegt sich die Zahl (für die nächste Uhrzeit-Darstellung) immer weiter nach vorn und rutscht beim erreichen der exakten Uhrzeit unter einem Ziffernhalter (einer kleinen Metallzunge) heraus und blättert so zur nächsten Uhrzeit-Darstellung.

Siemens DrehzahlenuhrDas klingt kompliziert und aufwendig und das ist es auch, gerade in bezug auf den damaligen Herstellungsprozess. Deshalb kosteten die Klappzahlenwecker namhafter Hersteller (Saba, Graetz, ELAC, Music Air) in den 70er-Jahren nicht selten zwischen 200-300DM.
Dennoch ist die Klappzahlentechnik robust bzw. wenig störungsanfällig und tatsächlich auch nicht so schwer zu reparieren. Defekte oder vergilbte Zahlentäfelchen lassen sich austauschen, sofern man ein passendes Ersatzteil zur Hand hat. Selbst die permanent laufenden Motoren sind äußerst präzise und zeigen nur nach längerem Stillstand desöfteren Anlaufschwierigkeiten. Beim zuverlässigen Umklappen der Ziffern gibt es die wenigsten Probleme und geräuschvolle „Klapper-Zahlen“, welche die Nachtruhe stören, gehören auch eher zu den Mythen – sofern man nicht gerade eine große Klappzahlen-Wanduhr (T&N Telenorma, Solari Udine, Peweta) im Schlafzimmer hängen hat.

Natürlich darf man auch nicht verschweigen, daß die alternden Synchronmotoren nach ca. 30 Jahren Dauerbetrieb oftmals nicht mehr ganz rund laufen und unschöne Schwingungen auf das Weckergehäuse übertragen können bzw. selbst ein nicht zu überhörendes Rattern von sich geben. Vom 50Hz-Brummen des Radionetzteils ganz zu schweigen, denn die Weckermechanik selbst läuft direkt mit 220/230V und einer Netzfrequenz von 50Hz. Der Synchronlauf mit der Netzfrequenz garantiert dabei die genaue Zeitangabe. (In Nordamerika kommen hingegen Netzfrequenzen von 60 Hz zum Einsatz, so daß netzbetriebene amerikanische Uhren mit Synchronmotoren bei uns zu langsam laufen würden.)
Viele Klappzahlenuhren bzw. Klappzahlen-Radiowecker mit einem „Uhrwerk“ des japanischen Herstellers Copal werden durch eine Glimmlampe beleuchtet, die oberhalb oder unterhalb des Displays festgesteckt ist. Diese permanente Beleuchtung der Ziffernplättchen leidet nach vielen Betriebsjahren meistens an Altersschwäche, kann aber mit ein wenig Löterfahrung relativ leicht ausgetauscht werden. Wo man jedoch eine passende Glimmlampe findet, kann ich auch nicht mit letzter Sicherheit sagen, aber ein Blick in den beleuchteten Schalter einer günstigen Baumarkt-Mehrfachsteckdose hat bei mir wahre Wunder bewirkt.

Sony Digimatic 8FC - 100E Flipclock

Analoge „Digitaluhren“ – Hersteller und Modelle

Es gibt Klappzahlenwecker in den vielfältigsten Farben und Formen. In spacigem Orange, mal schlicht, mal im runden bzw. fließenden Retro-Look. Darüber hinaus gibt es ähnliche bzw. identische Modelle von unterschiedlichen Herstellern. Auch die Bezeichnung für „Klappzahlenwecker“ variiert. Während die englischsprachige Welt mit der Bezeichnung „Flip-Clock“ einen relativ eindeutigen Begriff für derartige Retro-Uhren gefunden hat, sieht die Sache in Deutschland schon etwas anders aus. In den 70er-Jahren sprach man der Einfachheit halber von „Digitaluhren“, beispielweise bezeichnete der Hersteller ELAC seinen RD 100-Radiowecker mit Klappzahlen als „Digital-Uhren-Radio“. Mancherorts spricht man auch von „Fallblatt-Digitaluhr“ oder sogar von Faltblatt-Wecker, da sich die Ziffern-Blättchen auf dem Zahlenrad wie gefaltete Blätter verhalten.
In sehr vielen Retro-Uhren bzw. Vintage-Radioweckern mit Klappziffern befindet sich eine Mechanik und ein Synchronmotor des japanischen Herstellers Copal. Auf der 00-Minuten-Ziffer sieht man dann häufig einen kleinen „Japan“-Aufdruck. Die 70er Radiowecker mit Copal-Klappzahlenwerk besitzen fast immer eine Abschaltautomatik (Radio-Sleep-Timer). Geweckt werden kann man mit dezenten Radioklängen oder einem markdurchdringenden Summton. Einige Klappzahlenuhren von Copal verfügen außerdem über einen Klappzahlenkalender.
Daneben gibt es noch die Uhren/Wecker vom Hersteller Rhythm Japan, dort haben Stundenziffern als Zahlenzusatz noch einen aufgedruckten Punkt und die Minuten/Zehnerminuten haben jeweils eine eigene Zahlentrommel.
Die meisten hierzulande verkauften Klappzahlen-Uhrenradios besitzen eine 24-Stunden-Anzeige (0:00-23:59). Sehr beliebte und gefragte Wecker-Modelle aus den 70er-Jahren sind beispielweise der Bosch UDW 2, Copal 601 und 602, ELAC RD 100 und RD 200, Graetz Form99, ITT Synchro Compact 107, Music Air 10F-2Y oder Saba RC11-H.
Aber es gibt auch noch zahlreiche „Exoten“, z.B. batteriebetriebene Küchenuhren, Wecker mit 12-Stunden-AM/PM-Anzeige und weitere analoge „Digitaluhren“ welche fälschlicherweise in die Klappzahlen-Kategorie eingeordnet werden. Dazu gehören die vielen Drehwalzen- bzw. Drehzahlenwecker. Besonders beliebt sind z.B. die Modelle von Sankyo (Digi-Glo, 401).