Industriedesign der 60er- und 70er-Jahre

Viele Möbel und Gebrauchsgegenstände der 60er- und 70er-Jahre sind heute Klassiker des Designs geworden und werden oftmals noch immer unverändert produziert oder wieder neu aufgelegt. Ebenso fand der „Retrolook“ aber auch Eingang in die Technik und das Designrepertoire. Einige grundlegende Formen und Stilmittel, die in der Technik und Gestaltung von 1940 bis 1970 verwandt wurden, werden heute von Industriedesignern bei Automobilen, Möbeln und Einrichtungsgegenständen ganz oder teilweise wiederverwendet. Sogar bei Haushaltsgeräten wie Kühlschränken, Staubsaugern oder Toastern findet man heutzutage Design-Anleihen aus früheren Jahrzehnten. Deshalb verwundert es auch nicht, wenn berühmte Designer und deren Designobjekte weiterhin gefragt sind oder ein echtes Revival erleben. Nachfolgend einige Infos zu bekannten Designern bzw. Design-Ikonen:

Joe Colombo

Cesare (genannt Joe) Colombo (1930 – 1971) war ein italienischer Designer der durch seine futuristischen Entwürfe von Gebrauchsgegenständen und Möbelstücken in den 60er-Jahren einen großen Bekanntheitsgrad erlangte. Anfangs experimentierte er mit vielen Materialien und Herstellungsmethoden bis ihn der damals neue Kunststoff mit seinen thermoplastischen und optischen Gestaltungsmöglichkeiten in den Bann zog. Zu seinen bekanntesten Entwürfen gehört der Tube Chair, dessen gepolsterte Röhrenelemente mit Klammern zusammengesteckt werden bzw. komplett ineinandergeschoben, auf platzsparende Weise aufbewahrt werden können. Weitere Designklassiker von Joe Colombo sind der Aufbewahrungs-Container Boby, der Sessel Elda und die Spider-Leuchte. Mit seinen futuristisch-funktionalen Wohnwelten und Mehrzweck-Möbelstücken (z.B. Mini-Kitchen) wollte er das Leben und Wohnen in der Zukunft vorwegnehmen. Als Designer und Zukunftvisionär fängt Joe Colombo den Zeitgeist der sechziger Jahre (Plastic-/Space-Age) wunderbar ein, daß es nicht verwundert, wenn sein Design im Laufe der momentanen Retro-Welle immer wieder aIs Zitat und Neuinterpretation auftaucht.

Vico Magistretti

Ludovico (kurz „Vico“) Magistretti (1920-2006) war ein bekannter italienischer Industriedesigner und Architekt. Viele seiner Entwürfe wurden von namhaften Design-Unternehmen wie Asko, Artemide, Cassina und Kartell produziert. Insgesamt zwölf seiner Entwürfe sind permanent im Museum of Modern Art in New York City ausgestellt, darunter sein Sofa „Maralunga“, die „Atollo“-Lampe sowie die Stühle „Carimate“ und „Selene“. Vico Magistretti erhielt für seine Designobjekte zahlreiche Auszeichnungen, so z.B. 1967 und 1979 den Compasso d’Oro.

Olivier Mourgue

Olivier Mourgue (1939-) ist ein fränzösischer Industriedesigner. Von 1963 bis 1966 entwarf Olivier Mourgue Möbel für die Design-Firma Airborne International. Besonders bekannt wurde seine organisch-geformte Sitzmöbel-Serie „Djinn“ bzw. die „Djinn Chairs“, welche im Stanley Kubrick-Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968) für die Ausstattung der Raumstation benutzt wurden.

Anna Castelli Ferrieri

Anna Castelli Ferrieri (1920-2006) war eine italienische Architektin und die Chef-Designerin des Möbelherstellers Kartell, der seit den 60er-Jahren auf die Produktion hochwertiger Haushaltsgegenstände und Kunststoffmöbel ausgerichtet ist. Allgemeine Bekanntheit erlangte Castelli Ferrieri mit dem stapelbaren Container-Baukastensystem „Componibili“ (4970/84 bzw. 4953/68) aus ABS-Kunststoff (1967/69). „Componibili“ findet sich u.a. in der ständigen Sammlung des MOMA in New York. Viele ihrer sachlich-funktionalen Designobjekte erhielten internationale Preise, darunter auch den renommierten „Compasso d’Oro“ – die bedeutendste italienische Industriedesign-Auszeichnung. Anna Castelli Ferrieri zählt neben Ettore Sottsass und Joe Colombo zu den einflußreichsten italienischen Designern der 60er- und 70er-Jahre. Zu weiteren Design-Bestsellern ihres Schaffens gehören beispielweise der Kunststoff-Hocker 4822/44 (1979) oder auch der Kunststoff-Sessel 4873 (1986). Die meisten ihrer Serienprodukte werden auch heute noch unverändert produziert.

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